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Nicht stoffgebundene Sucht & 75 Jahre Vespa

 

Nun sind schon 33 Jahre vergangen, seit ich meinen ersten Roller-Führerschein machen durfte. So circa ein halbes Jahr vorher hatte ich meine erste P80X bekommen und gleich zu Klump vermatscht. Pünktlich zur Lappen-Übergabe sah sie dann aus wie neu. Dank Luigi, einem US Car-Schrauber aus dem niederländischen Kerkrade, der irgendwie zum Bekanntenkreis meiner Eltern gehörte. So durfte ich dann erstmal ziemlich original rumgurken. Von Mami & Papi gab es dann zu Weihnachten Chromgedöns. Ja, auch sie hatten Quadrophenia im Fernsehen gesehen. Was zunächst als reines Transportmittel angedacht war, entwickelte sich schnell zum Hobby, dann zur Leidenschaft und letztendlich zur verrückten Besessenheit.

 

Ach ja, fast vergessen. Happy Birthday liebe Vespa. Auf den Tag genau vor 75 Jahren war die Patentanmeldung.

 

Hab mir in der letzten Woche dann noch eine Vespa Cosa 200 zugelegt. Eine ganz Frühe von 1989. Wurde seinerzeit aus Italien importiert. Keine Ahnung warum. Gab es soweit ich weiß damals zum fast gleichen Preis bei jedem Piaggio-Händler. Egal, sie hat noch den Originallack und gerade bildet sich da eine eigene Fangemeinde an Cosanauten. 1989 bekamen wir vom örtlichen Händler Cosa-Sticker, die wir als Scooter Shark`s SC beim 2. Scooter Dive als Wegweiser nutzten. Auf nen Run hätte sich damals keiner mit so nem Ding getraut. Die waren echt verpöhnt, sogar in der offiziellen Szene. Als 2000 bei der Eurovespa in Hamburg ein Cosa Club irgendeinen Pokal gewonnen hatte, wurde er von den ach so tollen Vespisti sogar ausgepfiffen. Heute sind das schon Oldtimer, die preislich so langsam aufsteigen.

 

Das erste kleine Modell, das ich bekam, war eine rote Porzellan-Spardose. Wie passend! War doch diese Spardose doch der Grundstock für eine mittlerweile weltweit einmalige Anhäufung. Nicht von Geld, sondern von wunderbaren Erinnerungsstücken von Motorrollern.

 

Bevor es das Internet gab, war es gar nicht mal so einfach, eine solche Sammlung zu erschaffen und zu vergrößern. Zum Leidwesen meiner damaligen besten festen Freundin von allen ging es bei Ausflügen und Urlaub in jeden Kiosk, Spielzeug- oder Andenkenladen. Kein Trödelmarkt war vor mir sicher. Ich war immer und ständig auf der Jagd nach irgendwelchem Rollerzeug. Überall hätte ein sammelwertes Rollerstück sein können. Oft genug wurde ich auch fündig.

 

Aus dem Jagdfieber wurde eine Sucht, die sich immer mehr steigerte. Experten sprechen in solchen Fällen von einer nichtstoffgebundenen Sucht. Aus Platzmangel hatte ich aber nie so wirklich viele echte Roller. Zu Bestzeiten Anfang der 90er Jahre waren es mal 16 Stück, aber wer zählt schon? Durch einen studiumbedingten Umzug nach Leipzig reduzierte sich die Anzahl auf genau 1. Und der lief nicht mal. Das nenn ich mal einen kalten Entzug.

 

Dafür schwoll fern der alternativen Rollerszene der Scooter Boys mein Interesse und die Sammelwut auf all die anderen Dinge mit Bezug zu Motorrollern an. Ein- oder Beschränkungen einzuhalten war noch nie meine Stärke und so reichte es mir nicht mehr nur den coolen Vespa-Kram zu sammeln. Nein. ALLE Roller ALLER Hersteller und zwar ALLES, das in irgendeinem Bezug dazu stand. Selber gefahren bin ich übrigens bis heute nur Vespa-Schaltroller. Komisch, da geht es.

 

Nun ja. Die ständige Jagd schulte mein Auge in besonderem Maße. Noch heute, wo das Jagdfieber für meine Verhältnisse schon etwas gedämpft ist, finde ich Roller einfach überall. Es hat schon fast etwas von detektivischem Spürsinn, wie er Sherlock Holmes oder Hercule Poirot gut zu Gesicht gestanden hätte. Diese Woche zum Beispiel: Da stand vor dem Supermarkt so eine Schaustellerbude mit Süßwaren. Diesen Berufszweig haben die Pandemie-Maßnahmen ja ganz arg getroffen und so holen wir nun für die Kids dort öfter mal eine nette Kleinigkeit. Als Unterstützung der Schausteller & als Belohnung für z. B. gute Noten oder Helfen im Haushalt. Sind ja liebe Kinder und kriegen dann öfter mal was. Alle Kunden guckten nur auf die Auslagen, manche Pfennigfuchser auf die Preise. Ich aber starte wie gebahnt auf den Roller unten links auf der Preistafel. Der Verkäufer schien es überrascht ob meines Wunsches nach einem Foto des Scooters.

 

Meine Familie dagegen, allen voran die beste Ehefrau von allen, ist solch ungewöhnliches Verhalten ja schon mir gewöhnt. Als es 1991 mit meiner eben bereits erwähnten damaligen besten festen Freundin von allen nach Paris, der Stadt der Liebe, ging, führte uns unser erster Weg zum Vespa-Händler, zwei Straßen von diesem großen Kreisverkehr entfernt. In der Mitte steht so ein Dingens, wie heißt das doch noch? Richtig, Google sagt Arc de Triumph oder so ähnlich. Hab Ihr natürlich damals auch einen romantischen Heiratsantrag gemacht. Und schon zwölf Jahre später haben wir dann geheiratet. Nun ist sie auch schon seit 19 Jahren die beste Ehefrau von allen.

 

Wenn man soviel Rollerzeug beisammen getragen hat, dann wird zwangsläufig auch der gesamte Haushalt inclusive Garten damit dekoriert. Die beste Ehefrau von allen wäre nicht ebendiese, wenn sie da nicht ab und an geschmackvoll eingreifen würde. Unsere Nymphensittiche scheinen aber noch etwas irritiert zu sein, wenn sie beim Freiflug auf den Schränken so komischen Fahrzeugen begegnen.

 

 

Wie ist das denn bei Dir? Unterstützt Dein Partner Dein Hobby? Habt Ihr Euch vielleicht sogar auf einem entsprechenden Event kennengelernt? Erzähl mal! Lass uns teilhaben an Deinem Leben. Oder toleriert sie Dein Hobby nur oder möchte sogar, dass Du es reduzierst? In der Scooter-Szene gab es vor Jahren mal so ein Shirt mit der Aufschrift „Du und Deine kack Rollertreffen!“ Treffender kann man es doch nicht sagen, oder?

 

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